Hintergründe

Warum das Einstudieren eines Spiels mit biblischen oder theologischen Inhalten wichtig sein kann für einen Pfarrer und eine Kirchgemeinde. (Simon Jenny)
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Zu den einzelnen Medien

Wort

Das Wort im Kirchenspiel ist weder Predigt noch Vortrag, keine Belehrung noch Wissensvermittlung. Vielmehr Erzählung, Darstellung eines So-Seienden. In dem Stück «Maria von Wedemeyer» ist es die Form des Briefes, des Tagebucheintrags, welches die Wortebene darstellt. Der Zuhörer bildet sich seine Meinung dazu selbst, Gefühle und Emotionen als Reaktion auf das Gehörte entstehen weit eher, wenn das Wort als narratives Wort gesagt wird. Das Wort verbindet sich auch mit Musik, liefert den Text für die Musik und steht so nicht mehr als isolierte Grösse da. Durch die dramaturgische Einbettung erhält das Wort eine mehrschichtigere Wirkung, wird selbst Klang und entfaltet Bilder und Symbole. Im Spielen, im Darstellen, im Theater wird das Wort dann noch mehr leibhaftig, persönlich und gleichzeitig überpersönlich, da Eigenes der Zuhörer angesprochen wird. Wort ist Leben und wirkt so Leben. Erzähltes Leben, das die Zuhörerin hineinnimmt auf die Reise der Seele.

Musik

Musik stellt sich nicht länger «in Dienst», ist weder Konzertvortrag noch nötige Pausenfüllung für den Sprecher, sondern ist gleichermassen Element der Dramaturgie wie Tanz und Wort. Musik des Chores, der Instrumente ist selbständiges Handlungselement, vertieft das Gesagte, bereitet es vor, begleitet das Geschehen des Tanzes.
Die Ausführenden spüren diese selbständige Wichtigkeit, die aber nicht absolut ist, deswegen man Angst vor Fehlermachen haben müsste, die nicht egoistische Wichtigkeit, sondern Wichtigkeit des Inhalts, Teil des Ganzen ist. Kein Konzert ist angesagt und auch keine Motette zu Beginn des Gottesdienstes, sondern die gesungene Ausführung der «guten Mächte»: «Denn Er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten sollen». Und der Chor singt als Maria, die auf der Bühne steht, als «unerhörte Frau». Und der Chor singt in der Rolle der Engel, er hat eine Funktion im Spiel. Damit unterscheidet sich die Musik entscheidend vom Konzert oder vom gottesdienstlichen Vortrag. Der Chorsänger singt und ist weit stärker gleichzeitig sein eigener Zuhörer, so wie er den Darstellerinnen zuhört. Ein Chorstück bekommt einen «Sitz im Leben», verbindet sich mit einem speziellen Lebenszusammenhang, bleibt so weit stärker in Erinnerung, kann für ähnliche Lebenssituationen wichtig werden.

Tanz

Das Medium des Tanzes ist wohl immer noch das Ungewöhnlichste in der Kirche. Tanz ist, noch stärker als Musik und darstellendes Wort die Verleiblichung der Inhalte. Reden ohne Worte, mit Gesten, Gebärden, mit Bewegung und dem Reichtum der Darstellung mit dem ganzen Körper. Krieg und Frieden, Die Bewahrung durch gute Mächte, Verzweiflung und Geborgenheit im Tanz darzustellen, nimmt die innere Bewegung des Themas auf und setzt sie in äussere um. Sie erreicht die Zuschauer direkt auf der leiblich emotionalen und aber auch seelischen Ebene. Sie löst eine eigene Bewegung im Zuschauer aus und bringt ihn so in eine neue Berührung mit sich selbst. Ganz andere Verständnisse und Erfahrungen des Inhalts, des Dahinterliegenden werden möglich. Das Geschehen verdichtet sich, bleibt stehen und ist doch tief bewegt. Tanz schafft Raum und lässt den Verstand auch wieder anders aufnehmen, ist Förderer des Wortes und der Musik. Im Prozess des Einstudierens hilft der Tanz den anderen Medien zu tieferem Verständnis (und umgekehrt).

Das Zusammenführen dieser drei Medien in einen dramaturgisch sinnvollen Ablauf ergibt eine Durchdringung der einzelnen Gebiete, eine gegenseitige Befruchtung und dadurch starke Wirkung. Die Ausführenden werden davon am meisten spüren und verstehen. Sie sind Träger und Angesprochene der sich durchdringenden Elemente, sie lernen für ihr Gebiet von den anderen und kommen dem Inhalt des Stücks mit ihrem persönlichen Engagement so nahe, dass es in ihrem Leben Wirkung entfaltet.